CITY: WIEDER ZU VIERT UND OHNE BASS

CITY: WIEDER ZU VIERT UND OHNE BASS

Citys Sechserbesetzung hatte gerade mal ein Jahr gehalten. 1980 waren die englische Platte DREAMER und die Single “Sonnabendmittag“/“Schalt die Glotze aus“ dabei herausgesprungen, 1981 gab es noch die 45er “Efkaristo“/“Abschied“, und dann war schon wieder Feierabend. Allerdings rüttelte es heftig im Gebälk, denn für eine kurze Zeit hieß es, City würden sich trennen. Aber letztlich blieb das Rumpfgebilde mit Krahl/Puppel/Selmke bestehen, Barton ging zu Silly und Georgi Gogow und Gisbert Piatkowski gründeten NO55.
City richteten sich stilistisch vollkommen neu aus, holten sich Manfred Hennig (Pond, Elefant) als Keyboarder in die Band, verpassten sich radikale Kurzhaarschnitte (Hennig hatte sowieso eine Glatze) und kamen 1982 mit der Single “Kontra“/“Nur Rock’n’Roll“ zurück. Das war schon purer New Wave, stark von der NDW beeinflusst.
1983 war meine Punk-Phase längst vorbei, das ganze neue Zeug – ob Post Punk, Synthie Pop, Gothic Rock usw. – fand ich allerdings ziemlich erbaulich. Deswegen mochte ich UNTER DER HAUT – diese Monotonie des Titelsongs, die Entrücktheit von “Glastraum“, der sich an “In The Air Tonight“ von Phil Collins orientierte, die Dramatik eines “Was mich trägt“ … Hennigs Keyboards bestimmten das Klangbild, Puppels Gitarre hielt die Rock-Attitüde fest und hatte noch nie so ausgewogen geklungen, Selmke trieb die Songs an wie ein Motor und Krahls raue Soul/Blues-Stimme bekam ganz neue Nuancen. Ich fand die Platte Klasse.
Ich glaube, dass UNTER DER HAUT auch heute noch besteht. Natürlich gibt es da diese Zeitgeistnote, aber die Songs waren durch die Bank gelungen, der Sound bemerkenswert voll. Das neue Image schien glaubwürdig. Man hatte verstanden, sich gut zu verkaufen. Die Texte funktionierten auch. Man kann sich sicher fragen, ob gestandene Männer pubertär anmutende Schulgeschichten zum Besten geben sollten (“Sisyphus“ und “Unser Schuldirektor“), darüber dachte ich damals aber nicht nach.
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